Wissenswert

Schafbestand

EU: 97,7 Mio. (2013), Deutschland: 1,3 Mio. Schafe (2018), 9.900 Schafhalter, Baden-Württemberg ca. 220.00 Schafe, ca. 1.300 Schafhalter mit 20 und mehr Schafen, davon ca. 110 hauptberufliche Schafhalter und ca. 15 Wanderschäfer. Rückgang der Schafhaltung in den letzten 10 Jahren um 30 %.

Haltungsformen

Wanderschafhaltung:
Schafherden ziehen entsprechend der Vegetationszeit auf verschiedene Weidegebiete. Sommerweide: Streuobstwiesen, Mager- und Trockenrasen (Schwäbische Alb, Schwarzwald, Hohenlohe) Herbst- und Winterweide in klimatisch günstigeren Gebieten (Rheintal, Bodenseeraum, mittleres/ oberes Neckartal mit Seitentälern).

Standortgebundene Hütehaltung:
Schafe werden während der Wintermonate im Stall gehalten, im Frühjahr, Sommer und Herbst auf näherliegenden Flächen gehütet.

Koppelschafhaltung:
Nutzung von Restgrünland in landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben.

Hobbyhaltung:
Kleinere Herden, wirtschaftliche Bedeutung gering.

Rassen

Merinolandschafe
Stärkste Rasse mit ca. 70 % des Gesamtschafbestandes in Baden-Württemberg, besonders für die Hütehaltung geeignet (robust, widerstandsfähig, marsch- und pferchfähig), asaisonaler Brunstzyklus, d. h. Lammungen sind nicht an eine Saison (Frühjahr) gebunden, sondern zu jeder Jahreszeit möglich. Gute Bemuskelung, qualitativ hochwertige Wolle (Merinowolle).
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Fleischschafrassen
z.B. Schwarzkopf, Texel, Suffolk vermehrt in der Koppelschafhaltung eingesetzt, begrenzt auch in der Hütehaltung (sehr gute Schlachtkörperqualität, aber saisonale Lammung).
Z. B. Schwarzkopf, Texel, Suffolk vermehrt in der Koppelschafhaltung eingesetzt, begrenzt auch in der Hütehaltung (sehr gute Schlachtkörperqualität, aber saisonale Lammung).
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Landschafrassen
Z. B. Heidschnucken, Fuchsschafe, Milchschafe in der Regel in kleineren Haltungen zu finden, wobei Milchschafe gemolken werden (pro Laktation ca. 450 kg Milch mit hohem Fett- und Eiweißgehalt). Neben Trinkmilch wird auch Käse und Joghurt produziert. Landschafrassen sind weniger stark bemuskelt und haben ebenfalls saisonale Lammzeiten (Frühjahr). Neben Reinzucht auch häufig Kreuzungszucht (Merinolandschaf x Fleischschafbock) mit dem Ziel, marktgerechte Schlachtlämmer zu erzeugen.
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Lammfleisch

Schmackhaftes, zartes, auf natürliche Weise erzeugtes gesundes Fleisch (Weidelämmer). Vielseitige Zubereitung (Braten, Grillen, Sud). Pro-Kopf-Verbrauch nur rund 1 kg in Deutschland (Griechenland z. B. 14 kg). Vermarktung über Handel, Erzeugergemeinschaften oder Direktvermarktung vom Schafhalter an Endverbraucher. Häufig unter der Marke „Württemberger Lamm“ verkauft. Lebendgewicht schlachtreifer Lämmer 40-45 kg, Alter 4-7 Monate, Schlachtkörper vollfleischig mit geringer Fettabdeckung. Selbstversorgungsgrad in der Bundesrepublik bei Lammfleisch 50 %.

Wolle

Ca. 4-5 kg „Schweißwolle“/Schaf. Schurtermin März bis Mai, seit 1990 völliger Preisverfall bei Wolle: Statt früher 1,80 – 2,30 Euro/kg heute nur noch 0,50 – 1,20 Euro/kg je nach Qualität (Farbe, Feinheit, Ausgeglichen-heit). Schurkosten pro Schaf – ca. 3,80 Euro – oft höher als Wollerlös. Vermarktung der Wolle über Wollaufkäufer. Selbstversorgungsgrad in der Bundesrepublik ca. 5 %, 95 % sind Importwollen.

Wirtschaftliche Situation

Ca. 39 % der Markteinnahmen in der Schafhaltung stammen vom Lammfleisch-, nur ca. 2 % aus Wolle- und Fellverkauf und 60% aus der Landschaftspflege. Lammfleischpreise aufgrund politi¬scher Rahmenbedingungen (EU, GATT) relativ niedrig, z. Zt. bei ca. 2,00 – 2,60 Euro/kg Lebendgewicht. Preisdruck durch Importlämmer vor allem aus Nicht-EU-Ländern (Neuseeland, Südamerika). Erlöse aus Wolle und Lammfleisch reichen zur Existenzsicherung nicht aus. Deshalb staatliche Fördermaßnahmen dringend notwendig (Ausgleichszulage, FAKT-Programm, an Fläche gebundene Prämien). Stundenlohn eines Schäfers liegt einschließlich Förderung derzeit bei 6,68 €.

Landschaftspflege

Gewinnt zunehmend an Bedeutung, entspricht agrarpolitisch angestrebter extensiver Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen. Beweidung mit Schafen ist wichtiger Beitrag zur Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft (Wacholderheiden, Mager- und Trockenrasen, Hanglagen). Rund 60.000 ha werden in Baden-Württemberg kostengünstig, umweltfreundlich und energiesparend mit Schafen gepflegt und vor Verbuschung bewahrt, wobei der Hütehaltung ein hoher Stellenwert zukommt.

Zuchttierbestand

Ca. 122 Zuchtbetriebe, 6.370 Herdbuchschafe, davon 2.612 Merinoland-, 2.421 Fleisch-, 1.274 Land- und 64 Milchschafe. Zur Zeit sind 32 verschiedene Rassen im Zuchtbuch des Landesschafzuchtverbandes eingetragen.

Schafzucht

Die Zuchtarbeit ist auf die Verbesserung der Leistungsmerkmale Fleischleistung (Tageszunahme, Futterverwertung, Bemuskelung, Verfettungsgrad), Fruchtbarkeit (Anzahl geborener und aufgezogener Lämmer), Wollleistung, (Menge, Qualität der Wolle), äußere Erscheinung (Rahmen, Form) und Robustheit und Gesundheit der Tiere ausgerichtet. Landeseigene Prüfstation für Schafe in St. Johann, Kreis Reutlingen (Nachkommen- und Eigenleistungsprüfung).

”Schäfer” als Ausbildungsberu

Überbegriff ”Tierwirt”, 1 Jahr Vollzeitschule und 2-jährige Lehrzeit in Lehrbetrieb in Baden-Württemberg. Die schulische Ausbildung und Prüfung findet in Bayern statt. ODER Landwirt mit Schwerpunkt Schafhaltung, 3-jährige Lehrzeit in Lehrbetrieb in Baden-Württemberg. Die schulische Ausbildung und Prüfung findet wohnortsnah in Baden-Württemberg statt mit der Möglichkeit der Meisterprüfung.